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Das Haus am See – die Evolution einer Erkenntnis in drei Teilen.

Von Stephan Kalhamer

Wie Beobachtungen zum exponentiellem Wachstum im vergnügten Alltag über essentielle Turnierentscheidungen am Pokertisch zu konkreten Einsichten für unser Hier und Jetzt führen.

Episode 1:
Die Lage am See

Zwei gigantische Drohungen stehen sich gegenüber. Dabei scheint doch die Sonne!
Wir sitzen am See und blicken verträumt aufs Wasser.
Ein paar Algen hie und da, insgesamt aber einfach nur pittoresk.
Entspannung macht sich breit.
Die Gedanken bekommen Flügel.

Exponentielles Wachstum also… na und? Was heißt das schon?

Ich sehe Bilder von dem inneren Auge. Und Zahlen.
Ich bin Mathematiker. Ich kann nicht anders.
Nehmen wir an, die Algenmenge in unserem See verdoppelt sich jeden Tag.
Nehmen wir weiter an, dass er binnen 30 Tagen komplett veralge.
Dann ist er am 29. Tag zur Hälfte veralgt, am 28. zu einem Viertel, am 27. zu einem Achtel.
Am 26. Tag seiner Veralgung sind also noch 15/16 des Sees in tadellosem Zustand!

Das ist die eine Drohung:
Ein ultimativer Befall ist bereits programmiert, dieser wird aber bis sprichwörtlich 5 vor 12 nicht wirklich greifbar sein. Dann aber würde es zu spät sein. Dann würde zu wenig Kapazität für ein zu großes Problem vorliegen.

Gleichzeitig liegt dieser Verlaufsprognose auch die andere Drohung inne:
Nämlich die, dass nicht nur alles in Ordnung scheint, sondern tatsächlich in Ordnung ist!

Die Verbreitungsannahmen blieben also nur Theorie, alles wird sich wieder von alleine geben.

Was also tun?
Sollten wir uns direkt aus den Sonnenstühlen erheben, jeder sich einen Kescher schnappen und alles wäre ruckzuck erledigt?
Hm. Es ist einfach zu gemütlich gerade.
Es wird schon nicht so arg sein.
Irgendwas ist immer.
Und irgendwer will immer was…

Und wie stehen wir denn da, wenn wir den ganzen Weiher verrückt machen mit diesem Unfug?

Zu oft wurde schon zu viel geunkt und letztlich war ja doch nie was…

Und so vergeht die Zeit.

Andere Seen veralgen.

Es wird ungemütlicher, lauter und voller bei uns.

Da pfeift der Bademeister – und riegelt alles ab.

Aus ist es mit dem Vergnügen.

Stilllegung in all ihren Konsequenzen – für jede Familie und jeden Menschen um den See herum.

Statt zu sitzen, wird nun gesprochen.

Jeder hat eine Meinung, eine Überzeugung.
Es bilden sich zwei Lager.
Den See wieder öffnen würde ihn auf lange Sicht komplett veralgen, behaupten die einen.

Die anderen sagen, ein geschlossener See ist die eigentliche Katastrophe.

Wirklich wissen tut niemand etwas.

Keine Lage ist wie die unsere.

Örtlich wie zeitlich liegt eine einmalige Szenerie vor.

 

Unser schöner Weiher!

 Fortsetzung folgt.

 

 

Stephan Kalhamer ist der Philosoph unter den Pokertrainern. Er ist Mathematiker, Redner und Autor. Mit seiner Metatheroie der Entscheidungen beleuchtet er wirtschaftliche und alltägliche Entscheidungsfragen aus der Sicht eines Pokerspielers und gewinnt daraus Erkenntnisse, die bei seinen Zuhörern und Lesern stetig Anwendung finden.