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Das Haus am See – die Evolution einer Erkenntnis in drei Teilen.

Von Stephan Kalhamer

Wie Beobachtungen zum exponentiellem Wachstum im vergnügten Alltag über essentielle Turnierentscheidungen am Pokertisch zu konkreten Einsichten für unser Hier und Jetzt führen.

Hier geht es zu Episode 1:
Die Lage am See

Hier geht es zu Episode 2:
Das Entscheiden am Pokertisch

Episode 3:
Vom See über den Spieltisch in die Welt

 

In der Bibel steht:
„Der, der ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein“.

Solches konnte nur im Glauben an eine intakte Selbstreflexion eines jeden einzelnen geschrieben werden.
Heute würde man wohl kaum ungesteinigt davon kommen.

Jeder weiß doch immer alles so verdammt gut.
Und zwar genau hinterher.
Genau dann, wenn längst alles gelaufen ist und die Tugenden eines validen Entscheiders längst nicht mehr gefragt sind.

Deswegen möchte ich für Respekt werben.
Respekt vor einer schwierigen Situation.
Respekt vor echter Ungewissheit.
Respekt vor den Konsequenzen einer echten Entscheidung.

Wir alle lieben Sieger.
Wir alle lieben Helden.
Wir lieben das happy End.
Das ist der Grund, warum ein jeder wannabe in den Chefsessel drängt.
Einfach da sitzen und ein bisschen verwalten – easy.
Doch das ist nur der Pseudopart des Chefseins.

Unter echten Risiken, genauso wie unter echten Schmerzen folgenschwer zu entscheiden,
das macht Entscheiden im Ungewissen aus.

Um das zu können, muss ich mit mir im Reinen sein.
Ich muss erkennen, was ich wissen kann.
Ich muss verstehen, wie alles Erkannte zusammenwirkt.

Dann pflege ich die Vor- und Nachteile in die Alternativen ein, weite noch ein letztes Mal meinen Blick
– in der Hoffnung auf eine bislang unerkannte Synthese.

Dann drücke ich ab – und verzeihe mir selbst.
Denn sollte ich scheitern, so wird mir sonst niemand verzeihen.

Ich aber muss zumindest für mich selbst wissen, dass es gut war.
Ich muss wissen, dass ein vernünftiger und entschlossener Entscheider in meinem Stuhl saß
und dass dieser Entscheider vertretbar gehandelt hat.

Sollte ich Recht behalten, werde ich über die Maßen gelobt werden.
Und sollte sich das Szenario anders entwickeln als erwartet, so wird zu hart über mich geurteilt werden.

So ist das Leben – und deshalb ist Poker, dieses Strategiespiel voll unvollständiger Informationen,
ein noch besseres Bild für unsere menschlichen Belange, als der deterministische Strategieklassiker Schach.

Wo Schach schwarz-weiss denkt, denkt Poker in Farbe.

Stephan Kalhamer ist der Philosoph unter den Pokertrainern. Er ist Mathematiker, Redner und Autor. Mit seiner Metatheroie der Entscheidungen
beleuchtet er wirtschaftliche und alltägliche Entscheidungsfragen aus der Sicht eines Pokerspielers und gewinnt daraus Erkenntnisse, die bei seinen Zuhörern
und Lesern stetig Anwendung finden.