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Ihr kennt doch bestimmt das Gedankenexperiment bzw. die Frage: „Mit wem würdest Du gerne einen Abend verbringen?“

Wahrscheinlich kennt das jeder in irgendeiner Ausführung. Da geht die Spannbreite von 3 Dinnergästen – lebend oder aus der Vergangenheit – bis hin zu einer wilden Nacht mit einer alten Flamme. Je nachdem, wer in welcher Runde diese Frage stellt.

Mein Szenario dieser Idee lautet – denn da könnte ich den kurzen Tag optimal nutzen:

„Wen würden Sie zu einer Pokerrunde einladen?“

Kurz zu mir:
Ich bin Deutschlands bekanntester Poker-Experte (www.jan-heitmann.de, www.hapek.org)

und ich lade Sie zu einem Gedankenspielchen ein.

Mit welchen 6 Personen möchten Sie einen Tag lang Poker spielen?

Also: Es geht los. Sind Sie bereit?
Sie haben eine Minute, also spontan:

Nominieren Sie 1 bis max. 6 Mitspieler – am Leben oder aus der Vergangenheit, intelligent oder dumm, aus allen Bereichen des Leben – für Ihre exklusive Poker-Runde. Wenn Ihnen auf die Schnelle nur 3 einfallen, auch gut.

(Ergebnisse gerne JETZT in den Kommentaren schriftlich festhalten, später gibt es nochmal eine Chance.)

Jetzt stellen wir uns folgende Szene vor:

7 Menschen sitzen an einem Pokertisch und spielen.

Einer davon sind Sie.

Das Setting dürfen Sie sich ausmalen. Es kann in einem eleganten Londoner Club stattfinden, auf einem alten Schloss, am Meer oder am Finaltisch der Weltmeisterschaft, dem Final Table, vielleicht aus den 70er, mit Underground Flair.

Wichtig:Wir spielen ein paar Stunden, dann gibt es noch die Möglichkeit, sich auszutauschen, also beim Dinner oder an der Bar oder eben am Pokertisch.

Dieser Ablauf kommt Euch sicher bekannt vor: Es ist wie bei einer typischen Weiterbildung + Network-Veranstaltung… nur in Lustig.

Da sitzen Sie jetzt am coolsten Pokertisch, den Sie sich ausgemalt haben, mit den Top 6 der interessantesten Personen. Zumindest die, die Ihnen gerade spontan eingefallen sind.

Mit denen verbringen Sie nun einen Tag zusammen.

An sich schon ein super cooles Even – und danach werden Sie sich noch mit den weisen, einflussreichen und/oder berühmten Gästen unterhalten.

Jetzt habe ich aufgrund meines Werdegangs einen entscheidenden (pun intended) Vorteil:

Ich sitze ja in meinem Gedankenexperiment auch mit am Tisch und kann den Leuten Poker erklären. Das mache ich nicht nur gerne, das mache ich – ganz unbescheiden – auch gut. Seit über 20 Jahren. Und in dieser spezifischen Runde aus einem bestimmten Grund. Für mich ist es vorteilhaft, wenn alle nach dem Abend Poker besser verstanden haben.

Erstmal lernen also alle, wie man Poker zu spielt. 15 Minuten Regelkunde, dann kann es meistens schon losgehen. Alle haben die gleiche Ausgangsposition, wenn auch nicht den gleichen Wissensstand.

Folgende Voraussetzungen werden erfüllt:
Die Spieler nehmen das Spiel ernst.
Jeder spielt für sich selbst.
Es darf gerne frei diskutiert werden. Nicht nur, aber auch über Poker.

Das Spiel geht los. Einstein geht mit. Bill Gates erhöht den Einsatz. Elon Musk geht all-in… Sie sind dran.

Jetzt sitzen Sie da und spielen und reden und diskutieren. Und amüsieren sich. Gamification würde man das heute nennen.

 

Warum ich diese Art der Interaktion mit den interessantesten Menschen einer anderen Aktivität vorziehe?

Am Pokertisch entsteht das Phänomen, dass man sich in kurzer Zeit gut kennenlernt. Man versucht ja auch ständig, den anderen einzuschätzen. Die ausgeprägte Persönlichkeit zeigt sich in der Spielweise. Der Charakter zeigt sich im Verlauf des Tages im Spiel.

Das kennen wir ja. Schon Schiller schrieb, der Mensch sei „nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
Auch Hape Kerkeling sang „Das ganze Leben ist ein Spiel“ (ok, es heisst eigentlich „Das ganze Leben ist ein Quiz“, aber wir wissen ja, was er gemeint hat…).

 

Mein Aufgabe in dieser imaginären Pokerrunde ist es, sicher zu stellen, dass jeder der Eingeladenen danach ein besserer Pokerspieler ist und auch weiss, warum.

Je nach Gruppe oder Anlass meines Gedankenexperiments gibt es zwei Varianten:

1. Wir können einfach Poker spielen und uns nebenher kennenlernen, quatschen, diskutieren. Danach gibt es die Pokerkonzepte serviert.

2. Oder wir diskutieren während des Spiels über Konzepte, Strategien, Mathematik, Gegner lesen, etc.

Und am Ende des Tages gibt es Erkenntnisse.

Wer war so, wie ich ihn/sie mir vorgestellt habe?
Wer hat sich wie benommen?
Wer hat was gelernt?
Wer hat welche Fortschritte gemacht? Oder logische Patzer?
Wer nimmt den Verlust gelassen hin?
Wer erträgt den Sieg?

Welche Dynamiken sind entstanden? Zwischen wem gab es Konfrontationen?

Wer hat gewonnen?

Ein Reichtum an Antworten, die einem so nur ein Spiel geben kann.

An so einem Tag lernen die Teilnehmer, wie ein Pokerspieler denkt.

Man versteht, Poker ist kein Glücksspiel.
Dann merkt man: Poker ist noch nicht einmal ein Kartenspiel.
Poker ist ein Spiel über Menschen.
Poker ist ein Spiel über Menschen und ihre Entscheidungen.
Poker vor allem (aber nicht nur) ein Modell für Entscheidungen unter Unsicherheit.
(Kurzvortrag: https://www.youtube.com/watch?v=LipuWhTKgOw)

 

Je besser ich Poker erkläre, desto interessanter ist es dann, wie jeder Anwesende (der Poker als Spiel UND als Modell ja dann besser versteht,) mir seine Welt in diesem Modell beschreiben kann.

Wo sehen die Spieler die Parallelen zu Ihrer Welt?

Einstein z.B. würde ich dann bitten, mir seine Analogien zwischen Poker und Wissenschaft darzubieten.
Und je besser ich vorher dieses simple (wenn auch nicht einfache) Modell Poker erklärt habe, desto klarer kann „Albi“ (nach einem Pokerabend kennt man sich…) mir dann seine Weisheiten in diesem Modell erklären.
Wo sieht er in seiner Welt Konzepte wie TAG, Position, Gegner lesen, Raise oder Fold, etc.
(einige Kurzkonzepte gibt es hier:
TAG: https://youtu.be/QVQRq49hrDE
Level Denken: https://youtu.be/XP4Wbsb_Ehw
2 Aufgaben: https://youtu.be/MLdWcxyvNvs)

Aus rein egoistischen Gründen ist das großartig, denn dann lerne ich viel mehr über das jeweilige Thema.

Recht häufig, je nachdem wer da mit welcher Frage sitzt, kann das Modell Poker uns sogar helfen, Antworten für ihn oder sie zu finden.

Ich wäre so gespannt, wie Einstein Poker spielt. Wie er das Modell versteht und welche Fragen er dem Modell stellen könnte.
Aber er ist momentan nicht in meinen Top 6.

Einer meiner Favoriten ist John von Neumann, einem geschätzten Genie aus der jüngeren Vergangenheit.

„It is indeed supremely difficult to effectively refute the claim that John von Neumann is likely the most intelligent person who has ever lived. By the time of his death in 1957 at the modest age of 53, the Hungarian polymath had not only revolutionized several subfields of mathematics and physics but also made foundational contributions to pure economics and statistics and taken key parts in the invention of the atomic bomb, nuclear energy and digital computing.“
(Quelle: https://medium.com/cantors-paradise/the-unparalleled-genius-of-john-von-neumann-791bb9f42a2d)

 

Unter anderem, weil er einer der Ersten war, die Poker als Modell für Entscheidungsfindung erkannt und vor allem genutzt haben.
Anhand von Poker hat er mit Oscar Morgenstern die Spieltheorie entwickelt, also dem Teilbereich der Ökonomie, der sich mit Entscheidungsfindung unter Unsicherheit beschäftigt.

Wir sprechen ja sozusagen schon die gleiche Sprache. Nur spricht er sie fliessend. Aber wir können uns beide „auf Pokerisch“ unterhalten, ich muss nicht erst Physik studieren oder den IQ auf 200 bringen.

 

Viele der US-Präsidenten haben regelmässig Poker gespielt.

FDR (hat sein Programm „New Deal“ nach einem Pokerbegriff benannt)

Truman (hat mit Winston Churchhill auf dem Weg zu dessen „Iron Curtain“ Rede und sogar während dem Abwurf Hiroshima gepokert!! Ich bin mir auch sicher, dass John von Neumann die Implikationen, die eine atomare Waffe mit sich bringt, auch anhand von Pokerkonzepten erklärt hat: eine gemeinsame Sprache, die Truman und er verstehen.)

Eisenhower, 5 Star General, Kommandant der Alliierten, hat in seiner frühen Karriere so viel beim Poker gewonnen, dass er absichtlich verloren hat, um den Kameraden ihr Geld zurückzugeben.

Und Obama hat Pokerrunden genutzt, um sein Netzwerk zu erweitern und vom Studium bis ins Weisse Haus immer mal wieder zu Pokerrunden eingeladen.

Trump spielt kein Poker. Dafür viel Golf.

 

Trump wäre eine interessante Wahl (pun intended)… ich bin mir noch nicht sicher.

 

Meine Fragen an ihn sind vielleicht andere, als die offensichtlichen.
Mich würde nicht so sehr interessieren, was er denkt oder was er vorhat.

Ich möchte zwei Fragen am Ende des Tages beantworten können:

1. Das warum. Seine Motivation. Seine innere Logik.
Wie er denkt. Also eher der Prozess hinter seinen Gedanken und Taten.

2. Ob er gut Poker spielen kann, UND/ODER ob er es schafft, das Spiel zu ändern, das Spielfeld zu wechseln.

Meine Hypothesen zu Trump wären: Trump ist ein lausiger Pokerspieler. Innerhalb der Grenzen des Pokerspiels wäre er der Wal. Ja, DER. Ohne „h“.
Der Wal ist der größte unter den Fischen in der Pokersprache (ja, wir wissen, Säuger. Not the point.)
Das ist der Spieler, der alle anderen finanziert. Von den geladenen Gästen in der momentanen imaginären Pokerrunde wäre er der großer Verlierer. Ich kann das auch begründen, hier:

Also, wenn wir die Runde irgendwie finanzieren müssten, oder Venture Capital bräuchten, dann gerne Trump. (Er müsste nur im Vorhinein Cash zahlt.)

Vermutlich schafft er es, das Spiel zu wechseln, wie er es immer in seiner Karriere gemacht hat – also weg vom eigentlichen Regelwerk, hin zur Aufmerksamkeit, zur Marke Trump – das kann er halt besser als jeder andere.
Nur… ohne die Power seiner derzeitigen Position (auch ein Pokerkonzept: ) und vor allem in meiner Fantasie kommt er damit nicht durch. Wenn er zu viel Aufmerksamkeit an sich reisst und den Rahmen sprengt, muss ich ihn ja rausschmeissen, denn ich habe nur diesen einen Tag mit den anderen 5. Es kann nicht immer alles um ihn gehen.

 

Nachdem Sie jetzt das Setting etwas besser kennengelernt haben,
Sie sich vielleicht schon in ihre eigene exklusive Pokerrunde reinversetzt haben,
verstehen Sie sicher meine Faszination für die Ausgangsfrage.

Wen möchten Sie innerhalb von kurzer Zeit, einem Tag, mal so richtig durchleuchten, seine / ihre Motivationen verstehen und die Entscheidungskompetenz analysieren?

Und nach diesen vielen neuen Informationen machen wir das Gedankenexperiment noch einmal. Machen Sie ruhig mit.

Sie suchen Ihre 6 Gäste für eine Pokerrunde.

Sie, einen Tag am Pokertisch, mit 6 Personen Ihrer Wahl.
(Ich lade mich auch noch ein, als 8. und zeige allen, wie ein Pokerspieler denkt…)

Je nach Anliegen setzt sich diese Runde aus völlig verschiedenen Personen zusammen.
Ich vermute auch, dass wir aus den jeweiligen Zusammenstellungen schon eine Menge über den Zusammensteller oder das aktuelle Thema erfahren.

Nehmen Sie sich ruhig Zeit. Vielleicht etwas länger. Vielleicht auch öfter. Also. Let`s play.

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hapek.org